Veröffentlicht am März 22, 2024

Der wahre Wert einer Uhr liegt nicht in ihrem Markennamen oder ihrer Limitierung, sondern in ihrer beständigen Design-DNA.

  • Zeitlose Modelle folgen universellen Formgesetzen statt kurzlebigen Moden.
  • Die Unterscheidung zwischen einem flüchtigen Trend und einem zukünftigen Klassiker lässt sich systematisch erlernen.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die Prinzipien der Proportion, Materialehrlichkeit und kulturellen Resonanz, um eine Uhr für die Ewigkeit zu finden.

Die Entscheidung für eine Luxusuhr ist mehr als ein Kauf; es ist der Beginn einer Beziehung. Viele träumen von einem Zeitmesser, der nicht nur das eigene Handgelenk schmückt, sondern eines Tages als wertvolles Erbstück an die nächste Generation weitergegeben wird. Doch in einer Welt, die von schnelllebigen Trends und cleverem Marketing geprägt ist, scheint die Suche nach wahrer Zeitlosigkeit komplexer denn je. Die gängigen Ratschläge beschränken sich oft auf eine kurze Liste prestigeträchtiger Marken oder den vagen Hinweis, auf „klassische Designs“ zu achten.

Diese oberflächliche Herangehensweise birgt jedoch eine Gefahr: Sie führt dazu, dass wir Ikonen kopieren, ohne ihre Essenz zu verstehen. Wir jagen Modellen nach, die heute begehrt sind, aber deren Relevanz morgen verblassen könnte. Was aber, wenn der Schlüssel zur Zeitlosigkeit nicht darin liegt, *welche* Uhr man kauft, sondern *wie* man eine Uhr betrachtet? Was, wenn man lernen könnte, die subtilen Codes und Prinzipien zu entschlüsseln, die ein Design über Jahrzehnte hinweg frisch und relevant halten? Dieser Ansatz verwandelt Sie vom passiven Konsumenten zum aktiven Kurator Ihrer eigenen Sammlung.

Dieser Artikel ist Ihr Leitfaden, um genau diese Fähigkeit zu entwickeln. Statt Ihnen eine Einkaufsliste zu präsentieren, vermitteln wir Ihnen ein mentales Gerüst. Wir werden die Design-DNA unvergänglicher Klassiker analysieren, Ihnen Methoden an die Hand geben, um Hypes von echten Werten zu trennen, und Ihnen zeigen, wie Sie eine Kollektion aufbauen, die nicht nur Ihren Geschmack widerspiegelt, sondern eine Geschichte über Generationen hinweg erzählt. Es ist eine Reise zur Essenz des guten Designs – eine Reise, die sicherstellt, dass Ihre Wahl in 30 Jahren genauso bewundert wird wie heute.

Dieser Leitfaden ist strukturiert, um Sie schrittweise von den grundlegenden Prinzipien der Zeitlosigkeit bis hin zum Aufbau einer nachhaltigen Sammlung zu führen. Jeder Abschnitt baut auf dem vorherigen auf und schärft Ihren Blick für das, was wirklich zählt.

Warum nur 5% aller Uhrendesigns nach 20 Jahren noch als elegant gelten?

Die Uhrenindustrie bringt jedes Jahr Tausende neuer Modelle auf den Markt. Sie wetteifern um Aufmerksamkeit mit kühnen Farben, ungewöhnlichen Materialien und prominenten Kooperationen. Doch die Geschichte zeigt ein klares Muster: Die überwältigende Mehrheit dieser Designs verschwindet nach wenigen Saisons wieder in der Bedeutungslosigkeit. Nur ein winziger Bruchteil, schätzungsweise nicht mehr als 5%, schafft den Sprung zum Klassiker und wird auch nach 20, 30 oder 50 Jahren noch als Inbegriff von Eleganz wahrgenommen. Der Grund dafür liegt in einem fundamentalen Unterschied zwischen Mode und Stil. Mode ist vergänglich und reagiert auf den Zeitgeist. Stil basiert auf beständigen Prinzipien der Formgebung, die eine universelle Anziehungskraft besitzen.

Designs, die kurzfristigen Trends folgen – übergroße Gehäuse, schrille Farbkombinationen oder überladene Zifferblätter –, verlieren ihre Relevanz, sobald sich der Geschmack der Masse ändert. Zeitlose Designs hingegen basieren auf einer soliden Design-DNA, die Trends nicht ignoriert, aber auch nicht von ihnen abhängig ist. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die deutsche Bauhaus-Bewegung. Die ersten Zifferblätter im Bauhaus-Stil entstanden bereits in den 1920er Jahren in der deutschen Uhrenstadt Pforzheim. Ihr Fokus auf Funktion, Reduktion und geometrische Klarheit hat eine Ästhetik geschaffen, die heute noch genauso modern wirkt wie damals.

Diese Langlebigkeit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung für Harmonie und Ausgewogenheit statt für kurzfristige Effekthascherei. Ein eindrucksvoller Beleg dafür ist die Junghans Max Bill, die auf Entwürfen aus den späten 1950er Jahren basiert. Ihre Produktion läuft seit 1961, ein Beweis für über 60 Jahre ungebrochene Designkontinuität. Solche Uhren überdauern, weil sie nicht versuchen, modisch zu sein. Sie sind einfach nur gutes Design. Und gutes Design ist immer zeitlos.

Wie Sie mit der 50-Jahre-Rückblick-Methode zeitlose von modischen Designs trennen?

Die Unterscheidung zwischen einem flüchtigen Trend und einem Design mit Ewigkeitsanspruch kann subjektiv erscheinen. Doch es gibt eine systematische Methode, um Ihren Blick zu schärfen und eine objektivere Bewertung vorzunehmen: die 50-Jahre-Rückblick-Methode. Die Logik dahinter ist einfach: Ein Design, dessen Kernelemente bereits vor 50 Jahren existierten und als ästhetisch ansprechend galten, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch in den nächsten 50 Jahren relevant zu bleiben. Es beweist eine fundamentale Trend-Resistenz, die es von kurzlebigen Hypes abhebt. Wie Brinckmann & Lange treffend feststellen: „Dass die Ideen des Bauhauses auch heute noch begeistern, können wir jeden Tag an Ikonen der Uhrmacherei wie der Junghans Max Bill und der Nomos Tangente ablesen.“

Diese Methode zwingt Sie, über den aktuellen Kontext hinauszudenken. Fragen Sie sich bei der Betrachtung einer Uhr: Gab es diese Gehäuseform, diese Zeigerart oder diese Typografie bereits in den 1970er Jahren? Finden sich ähnliche Gestaltungselemente in klassischen Cockpit-Instrumenten, architektonischen Entwürfen oder anderen langlebigen Objekten wieder? Wenn die Antwort „Ja“ lautet, blicken Sie wahrscheinlich auf eine Uhr mit einer soliden Design-DNA. Wenn die Ästhetik hingegen untrennbar mit den letzten zwei oder drei Jahren verbunden scheint, ist Vorsicht geboten. Es könnte sich um einen modischen Impuls handeln, der schnell an Anziehungskraft verliert.

Die Anwendung dieser Methode erfordert ein wenig Übung und Recherche, aber sie schützt Sie effektiv vor kostspieligen Fehlentscheidungen. Sie lernen, die „Ahnenreihe“ eines Designs zu erkennen und seine Wurzeln in der Designgeschichte zu verorten. Eine Uhr, die diesen Test besteht, ist mehr als nur ein schönes Accessoire; sie ist ein Stück gelebter Designgeschichte mit einer gesicherten Zukunft. Der folgende „Zeitlosigkeits-TÜV“ fasst die Methode in einem praktischen Plan zusammen.

Ihr Plan zur Überprüfung der Zeitlosigkeit: Der Design-TÜV

  1. Gehäuse prüfen: Analysieren Sie die Gehäuseform. Ist sie flach und von einer schmalen Lünette umgeben? Dies deutet oft auf klassische Langlebigkeit hin, während überdimensionierte oder exzentrische Formen schnell aus der Mode kommen können.
  2. Form analysieren: Basiert die Grundform auf reiner Geometrie wie einem perfekten Kreis oder einem klaren Quadrat? Geometrische Grundformen haben eine universelle, zeitüberdauernde Ästhetik.
  3. Typografie bewerten: Betrachten Sie die Schriftart der Ziffern. Ist sie klassisch, klar und gut lesbar (z.B. eine serifenlose Schriftart) oder verspielt und modisch? Zeitlose Typografie stellt die Funktion über den Effekt.
  4. Designelemente untersuchen: Gab es die prägenden Designelemente (z.B. Zeigerform, Index-Art) in ähnlicher Form schon vor 50 Jahren? Suchen Sie nach historischen Vorbildern in der Luftfahrt, im Automobildesign oder in der Architektur.
  5. Mit Ikonen vergleichen: Wie nah ist das Design an etablierten Klassikern wie einer Rolex Submariner oder einer Cartier Tank? Eine gewisse Ähnlichkeit kann ein Indikator für bewährte Prinzipien sein, eine zu starke Kopie jedoch ein Mangel an Eigenständigkeit.

Dresswatches oder Sportuhren – welche Kategorie bietet mehr zeitlose Eleganz?

Traditionell war die Uhrenwelt klar aufgeteilt: Die elegante, flache Dresswatch aus Edelmetall gehörte zum Anzug, die robuste, funktionale Sportuhr aus Stahl war für die Freizeit reserviert. Doch diese strikte Trennung ist heute überholt. Die Suche nach zeitloser Eleganz führt uns nicht mehr zu einer bestimmten Kategorie, sondern zu den Modellen, die die Grenzen zwischen beiden Welten gekonnt auflösen. Die Frage ist nicht mehr „Dresswatch oder Sportuhr?“, sondern: „Wie vielseitig ist das Design?“ Ein wahrhaft zeitloser Zeitmesser muss sich in unterschiedlichsten Kontexten bewähren – vom Boardroom bis zum Strandurlaub.

Ikonen wie die Audemars Piguet Royal Oak oder die Patek Philippe Nautilus haben diese Revolution in den 1970er Jahren eingeleitet. Sie waren Luxusuhren aus Stahl, die die Robustheit einer Sportuhr mit der Finesse und dem Preis einer Dresswatch verbanden. Sie schufen eine völlig neue Kategorie: die Luxus-Sportuhr. Ihr Erfolg beweist, dass wahre Eleganz nicht an ein Material oder eine bestimmte Gehäuseform gebunden ist, sondern an perfekte Proportionen, eine hochwertige Verarbeitung und eine starke Design-Identität.

Heute sehen wir diesen Trend in der gesamten Branche. Viele moderne Uhren sind so konzipiert, dass sie Chamäleons am Handgelenk sind. Ein entscheidender Faktor für diese Vielseitigkeit ist das Armband. Ein und dieselbe Uhr kann durch einen einfachen Bandwechsel ihren Charakter komplett verändern.

Nahaufnahme verschiedener Uhrenarmbänder und ihrer Wandlungsfähigkeit

Wie die verschiedenen Materialien zeigen, kann eine Uhr mit einem polierten Stahlband sportlich-elegant wirken, mit einem Alligatorlederband zur formellen Dresswatch werden und mit einem Kautschuk- oder Textilband einen lässigen, sportlichen Charakter annehmen. Ein Design, das diese Wandlungsfähigkeit von Haus aus mitbringt, besitzt eine inhärente Langlebigkeit. Es passt sich dem Leben seines Trägers an, anstatt ihn in eine stilistische Schublade zu zwingen. Suchen Sie also nicht nach einer Kategorie, sondern nach einem Design, das Ihnen stilistische Freiheit schenkt.

Der Trend-Hype-Fehler bei limitierten Editionen, die morgen wertlos sind

Limitierte Editionen üben eine starke Faszination aus. Sie versprechen Exklusivität und das Potenzial für eine erhebliche Wertsteigerung. Doch genau hier lauert einer der größten Fehler für angehende Sammler: der Glaube, dass „limitiert“ automatisch „wertvoll“ bedeutet. Die Realität ist, dass die meisten sogenannten „Limited Editions“ reine Marketinginstrumente sind, die in Auflagen von 500, 1.000 oder sogar 5.000 Stück produziert werden und kaum eine Chance auf eine positive Wertentwicklung haben.

Wirkliche Exklusivität und damit verbundenes Wertsteigerungspotenzial beginnen in einem ganz anderen Bereich. Echte Exklusivität, so zeigen Analysen, beginnt erst bei Auflagen von 10 bis 100 Stück, die meist nur für die treuesten Kunden der Manufaktur reserviert sind. Alles darüber hinaus ist oft nur eine künstliche Verknappung, die einen kurzfristigen Hype erzeugt, aber keine langfristige Substanz besitzt. Der Fehler liegt darin, sich von der Angst, etwas zu verpassen (FOMO), leiten zu lassen, anstatt die Uhr nach ihren eigentlichen Qualitäten zu beurteilen: Design, Verarbeitung und historische Bedeutung.

Erfolgreiche limitierte Editionen, die tatsächlich im Wert steigen, haben fast immer mehr zu bieten als nur eine niedrige Stückzahl. Sie besitzen eine starke kulturelle Resonanz – eine Verbindung zu einem bedeutenden Ereignis, einer berühmten Persönlichkeit oder einem Wendepunkt in der Markengeschichte. Ein klassisches Beispiel ist die Omega Speedmaster Apollo XI 1969-1994, von der eine Ausgabe mit der Nummer 97/500 einen Preis von 11.875 Euro erzielte. Ihr Wert speist sich nicht nur aus der Limitierung, sondern aus der untrennbaren Verbindung zur Geschichte der Mondlandung. Modelle, die mit „kultigen“ Geschichten wie denen von Paul Newman oder James Bond verbunden sind, zeigen ein ähnliches, oft noch größeres Potenzial. Bevor Sie also dem Reiz einer limitierten Auflage erliegen, fragen Sie sich: Welche Geschichte erzählt diese Uhr über ihre Limitierung hinaus?

Wie Sie eine Uhrenkollektion aufbauen, die über Ihr Leben hinaus Bestand hat?

Eine einzelne zeitlose Uhr zu finden, ist eine Kunst. Eine ganze Kollektion aufzubauen, die über Generationen hinweg Bestand und Bedeutung hat, ist die Krönung der kuratorischen Tätigkeit. Der Fokus verschiebt sich hier vom einzelnen Objekt hin zu einer zusammenhängenden Erzählung. Eine solche Sammlung ist mehr als die Summe ihrer Teile; sie wird zu einem Spiegelbild Ihrer Werte, Ihrer Geschichte und Ihrer Vision für die Zukunft. Das Ziel ist es, eine Generationenbrücke zu schaffen, bei der jede Uhr ein Kapitel in der Familiengeschichte darstellt.

Ein entscheidender Aspekt dabei ist die Vererbbarkeit, die bei hochwertigen mechanischen Uhren tief verankert ist. Viele Luxusmodelle sind so konstruiert, dass sie bei regelmäßiger Pflege mehrere Leben überdauern können. Sie bleiben oft über Jahrzehnte im Familienbesitz und werden als Symbole für erreichte Meilensteine oder als Erinnerungsstücke weitergegeben. Um eine solche Kollektion bewusst zu gestalten, sollten Sie strategisch denken. Anstatt willkürlich Uhren anzuhäufen, die Ihnen gefallen, könnten Sie ein narratives Konzept verfolgen. Ein bewährter Ansatz deutscher Sammler ist das Drei-Uhren-Konzept, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.

Beginnen Sie mit einer Uhr, die eine Verbindung zur Vergangenheit herstellt – vielleicht ein klassisches Modell einer deutschen Marke wie Junghans oder Stowa, das den Stil Ihrer Elterngeneration repräsentiert. Fügen Sie eine Uhr hinzu, die Ihre eigene Lebensphase und Ihre Karriere symbolisiert – vielleicht eine robuste und technische Uhr einer Manufaktur wie Damasko oder Sinn. Ergänzen Sie die Sammlung schließlich mit einer Uhr, die in die Zukunft blickt – zum Beispiel ein Modell einer innovativen Marke, die auf nachhaltige Materialien oder zukunftsweisende Technologien setzt. Wichtig ist, jede Uhr mit ihrer persönlichen Geschichte zu dokumentieren. Und denken Sie praktisch: Die Servicefreundlichkeit deutscher Manufakturen wie A. Lange & Söhne oder Nomos Glashütte stellt sicher, dass diese Erbstücke auch in Zukunft gepflegt werden können.

Was macht Schmuck zum unvergänglichen Klassiker – die 7 ewigen Designprinzipien?

Die Prinzipien, die eine Uhr zeitlos machen, sind universell und gelten für jede Form von gutem Design, sei es in der Architektur, im Möbelbau oder bei Schmuck. Sie sind die fundamentalen Formgesetze, die eine harmonische und dauerhaft ansprechende Ästhetik schaffen. Anstatt sich auf subjektive Vorlieben zu verlassen, kann ein Kurator diese Prinzipien als objektiven Maßstab anlegen. Wir können sie in sieben ewige Leitlinien zusammenfassen, die unvergängliche Klassiker auszeichnen.

1. Geometrische Klarheit: Zeitlose Designs basieren oft auf reinen, einfachen geometrischen Formen wie dem Kreis, dem Quadrat oder dem Rechteck. Sie vermeiden komplexe, organische Formen, die schnell veraltet wirken können.
2. Perfekte Proportion: Das Verhältnis der einzelnen Elemente zueinander ist entscheidend. Viele ikonische Zifferblätter folgen unbewusst oder bewusst dem Goldenen Schnitt, was eine natürliche, als angenehm empfundene Harmonie erzeugt.

Geometrische Analyse des goldenen Schnitts bei einem klassischen Uhrenzifferblatt

3. Materialehrlichkeit: Das Design sollte die Eigenschaften des verwendeten Materials hervorheben, anstatt sie zu verschleiern. Stahl darf wie Stahl aussehen, Gold wie Gold. Diese Ehrlichkeit schafft Authentizität.
4. Typografische Zurückhaltung: Die Schrift auf dem Zifferblatt dient der Funktion. Sie ist klar, lesbar und unaufdringlich. Verspielte oder übermäßig stilisierte Schriftarten sind ein Zeichen für kurzlebige Moden.
5. Funktionale Lesbarkeit: Die primäre Funktion einer Uhr ist das Anzeigen der Zeit. Bei einem zeitlosen Design ist die Ablesbarkeit immer gewährleistet. Form folgt Funktion – ein zentraler Leitsatz des Bauhauses.
6. Kulturelle Resonanz: Das Design steht in einem größeren Kontext. Es zitiert vielleicht eine historische Epoche, eine technische Errungenschaft oder eine künstlerische Bewegung, was ihm eine tiefere Bedeutungsebene verleiht.
7. Haptische Qualität: Ein zeitloses Objekt fühlt sich genauso gut an, wie es aussieht. Das Gewicht, die Oberflächenbeschaffenheit und die Bedienung der Krone oder der Drücker tragen maßgeblich zur Wertwahrnehmung bei.

Die NOMOS Tangente ist ein perfektes Beispiel für die Anwendung dieser Prinzipien. Sie trägt das minimalistische Designerbe der 1930er Jahre in sich und verbindet Kunst und Handwerk zu einer nützlichen, ästhetischen Form. Mit modernen, hauseigenen Uhrwerken erfüllt sie zudem höchste Qualitäts- und Handwerksstandards. Sie ist der Beweis, dass die Einhaltung dieser ewigen Prinzipien der sicherste Weg zu einem unvergänglichen Klassiker ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wahre Zeitlosigkeit ist ein erlernbares Designprinzip, keine Frage des Markenprestiges.
  • Ein systematischer Ansatz wie die 50-Jahre-Rückblick-Methode schützt vor kurzlebigen Hypes.
  • Eine Sammlung, die als „Generationenbrücke“ konzipiert ist, schafft einen Wert, der weit über das Materielle hinausgeht.

Wie Sie mit der 5-Jahres-Projektionsregel Trends mit Bestandskraft identifizieren?

Trends sind nicht per se schlecht. Sie bringen Dynamik in die Branche und können die Vorboten neuer Klassiker sein. Die Herausforderung für einen Kurator besteht darin, flüchtige Launen von Strömungen mit echter Bestandskraft zu unterscheiden. Ein nützliches Werkzeug hierfür ist die 5-Jahres-Projektionsregel. Sie ist eine einfache mentale Übung: Betrachten Sie den aktuellen Trend – sei es eine bestimmte Zifferblattfarbe, ein neues Material oder eine Gehäuseform – und fragen Sie sich ehrlich: „Werde ich dieses Merkmal in fünf Jahren immer noch als ästhetisch ansprechend und begehrenswert empfinden?“

Diese Frage zwingt Sie, den unmittelbaren Reiz des Neuen zu überwinden und die langfristige Tragfähigkeit des Trends zu bewerten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der aktuelle Trend zu farbigen Zifferblättern, insbesondere zu grünen Tönen. Grüne Uhren werden als elegant und zeitlos beschrieben, und sie heben sich von traditionellen Modellen ab. Wendet man die 5-Jahres-Regel an, ist die Prognose positiv: Grün ist eine in der Natur tief verwurzelte Farbe mit einer langen Geschichte in der Heraldik und im Automobilsport (z.B. „British Racing Green“). Es ist wahrscheinlich, dass grüne Zifferblätter, ähnlich wie blaue, zu einer etablierten, klassischen Alternative neben Schwarz und Weiß werden.

Im Gegensatz dazu könnten extreme Trends wie „Regenbogen“-Lünetten oder Uhren, die vollständig mit grellen Mustern überzogen sind, den 5-Jahres-Test möglicherweise nicht bestehen. Sie sind stark an den aktuellen Moment gebunden und könnten in Zukunft als modische Verirrung angesehen werden. Die Fähigkeit, diese Unterscheidung zu treffen, ist nicht nur ästhetisch, sondern auch finanziell relevant, denn der globale Markt für Luxusuhren, der laut aktuellen Analysen von 35 Milliarden Euro (2018) auf 45 Milliarden Euro (2024) anwuchs, belohnt langfristige Weitsicht. Die 5-Jahres-Projektionsregel ist Ihr persönlicher Filter, um in diesem wachsenden Markt kluge und nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Warum wahre Uhrenliebhaber von Leidenschaft statt von Prestige getrieben werden

Nach all den Analysen von Designprinzipien, Markttrends und Wertanlagen kommen wir zum wichtigsten und zugleich einfachsten Kriterium: der persönlichen Leidenschaft. Eine Uhr mag alle objektiven Kriterien der Zeitlosigkeit erfüllen, aber wenn sie Ihr Herz nicht berührt, wird sie niemals zu „Ihrer“ Uhr. Am Ende des Tages ist eine Uhrensammlung eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Der wahre Wert eines Zeitmessers für Sie bemisst sich nicht in Auktionsergebnissen, sondern in der Freude, die er Ihnen beim Betrachten und Tragen bereitet.

Prestige ist ein externer Faktor; es ist die Wahrnehmung durch andere. Leidenschaft ist intrinsisch; sie kommt von innen. Von Prestige getriebene Käufer erwerben Uhren, um einen Status zu signalisieren. Von Leidenschaft getriebene Liebhaber – die wahren Kuratoren – erwerben Uhren, weil sie deren Geschichte, deren Technik oder deren Ästhetik aufrichtig bewundern. Diese Haltung führt paradoxerweise oft zu den besseren und wertstabileren Sammlungen, da sie auf Authentizität und tiefem Wissen beruht, nicht auf dem Nachjagen von Hypes. Max Häffner, ein anerkannter deutscher Uhrenexperte, bringt es auf den Punkt, wie er in einem Experteninterview auf watch.de rät:

Wenn Ihr eine wertstabile Uhr sucht, die Ihr auch mal tragen könnt, würde ich immer die Marke Rolex empfehlen. Solltet Ihr zwischen zwei Uhren schwanken, wählt lieber die, die Euch besser gefällt, statt der, die später mehr Geld bringen könnte.

– Max Häffner, watch.de Magazin

Diese Leidenschaft muss sich nicht auf die großen, bekannten Marken beschränken. Oft findet sie ihre Erfüllung gerade in der Entdeckung von Nischenmarken und unabhängigen Uhrmachern. In Deutschland gibt es eine lebendige Szene von „Microbrands“, die mit herausragendem Design und fairer Preisgestaltung Kennerherzen höherschlagen lassen. Eine Marke wie Taktgeber bietet mit ihrem Modell C29 für 199 Euro eine wunderbare, vom Bauhaus inspirierte Ästhetik. Der Kauf einer solchen Uhr ist ein Statement der Kennerschaft, getrieben von der reinen Freude am Design – und nicht vom Wunsch, andere zu beeindrucken.

Beginnen Sie noch heute Ihre Reise zum Uhren-Kurator. Schulen Sie Ihren Blick, vertrauen Sie auf die ewigen Prinzipien des Designs und folgen Sie vor allem Ihrer Leidenschaft. So finden Sie nicht nur eine Uhr für heute, sondern einen Begleiter fürs Leben und ein Erbstück für morgen.

Geschrieben von Thomas Becker, Thomas Becker ist Uhrmachermeister mit 22 Jahren Erfahrung in der Restaurierung und Wartung mechanischer Luxusuhren. Er absolvierte seine Ausbildung an der Uhrmacherschule in Glashütte und führt heute eine spezialisierte Uhrmacherwerkstatt in München, wo er hochkomplexe Reparaturen und Revisionen an hochwertigen Zeitmessern durchführt.