Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der Schlüssel zu einer funktionierenden Garderobe liegt nicht in der Menge der Kleidung, sondern in der Qualität des Systems dahinter.

  • Strategisch ausgewählte Kernstücke ermöglichen exponentiell mehr Kombinationen als eine unkoordinierte Sammlung.
  • Eine durchdachte Farb- und Stilstrategie eliminiert täglichen Entscheidungsstress und Fehlkäufe.

Empfehlung: Behandeln Sie Ihre Garderobe wie eine strategische Investition in Ihre persönliche Effizienz und Ausstrahlung, nicht wie eine Ansammlung von Zufallskäufen.

Kennen Sie das Gefühl? Der Kleiderschrank ist voll, doch Sie haben „nichts anzuziehen“. Dieses weitverbreitete Paradox ist kein Zufall, sondern das Symptom einer fehlenden Strategie. Es ist die logische Konsequenz aus Impulskäufen, kurzlebigen Trends und Teilen, die für kein spezifisches Szenario in Ihrem Leben wirklich perfekt sind. Wenn man bedenkt, dass laut einer aktuellen Erhebung deutsche Frauen im Durchschnitt 107 Kleidungsstücke besitzen, wird das Problem noch deutlicher: Es fehlt nicht an Optionen, sondern an einem kohärenten System.

Die üblichen Ratschläge – radikal ausmisten, nur noch Basics kaufen, den eigenen Stil „finden“ – kratzen oft nur an der Oberfläche. Sie führen im schlimmsten Fall zu einer Garderobe, die zwar minimalistisch, aber auch unpersönlich und langweilig ist. Doch was wäre, wenn die wahre Lösung nicht darin besteht, einfach weniger zu besitzen, sondern intelligenter zu investieren? Was, wenn wir aufhören, Kleidung als Konsumgut zu betrachten, und stattdessen eine echte Garderoben-Architektur entwickeln? Dieser Ansatz verwandelt Ihren Kleiderschrank von einer chaotischen Ansammlung in ein hocheffizientes System, in dem jedes Teil eine definierte Funktion hat und seinen Wert über Jahre beweist.

In diesem Leitfaden werden wir diesen strategischen Ansatz Schritt für Schritt durchgehen. Wir werden nicht nur darüber sprechen, was Sie tun sollten, sondern vor allem, warum es funktioniert. Sie werden lernen, wie Sie Ihre Garderobe wie eine erfahrene Investorin planen, aufbauen und verwalten, um jeden Tag mühelos gut gekleidet zu sein – ohne Stress und ohne Kompromisse.

Warum 20 gut gewählte Teile mehr Looks ermöglichen als 100 Zufallskäufe?

Der Gedanke, mit weniger Kleidung mehr Möglichkeiten zu haben, scheint zunächst kontraintuitiv. Doch der Schlüssel liegt in der Mathematik der Kombinatorik und dem strategischen Konzept des „Capsule Wardrobe“. Ein Schrank mit 100 isolierten, nicht aufeinander abgestimmten Teilen bietet vielleicht 100 Outfits. Ein Schrank mit 20 strategisch ausgewählten, untereinander kombinierbaren Teilen – beispielsweise 5 Unterteilen, 10 Oberteilen und 5 „Drüber“-Teilen (Jacken, Cardigans) – kann theoretisch bereits 250 Kombinationen (5 x 10 x 5) ergeben. Hier geht es nicht um Minimalismus als Selbstzweck, sondern um maximale Effizienz.

Dieses Prinzip bezeichnen wir als Komponenten-Denken. Jedes Kleidungsstück wird nicht als Einzelstück, sondern als funktionale Komponente eines größeren Systems betrachtet. Der wahre Wert eines Teils bemisst sich an seiner Fähigkeit, mit anderen Komponenten zu interagieren. Anstatt zu fragen: „Mag ich dieses Kleid?“, lautet die strategische Frage: „Mit wie vielen meiner bestehenden Komponenten kann ich dieses Kleid kombinieren, um vollwertige, für mich passende Outfits zu schaffen?“ Der Fokus verschiebt sich von der Quantität der Einzelteile zur Qualität der Schnittstellen zwischen ihnen.

Die Vorteile dieser kuratierten Garderobe sind systembedingt: Die morgendliche Outfitwahl wird drastisch verkürzt, da fast jede Kombination funktioniert. Sie fühlen sich wohler, da jedes Teil bewusst ausgewählt wurde und zu Ihrem Stil passt. Langfristig führt dies zu einem höheren Nutzungs-ROI (Return on Investment) für jedes einzelne Kleidungsstück. Sie investieren in Teile, die oft und gerne getragen werden, anstatt Geld in „Schrankleichen“ zu binden. Qualität schlägt hier immer Quantität.

Wie Sie Ihre ideale Farbpalette in 5 Schritten definieren und konsequent einhalten?

Eine definierte Farbpalette ist das Betriebssystem Ihrer Garderoben-Architektur. Sie ist der unsichtbare Code, der sicherstellt, dass alle Komponenten nahtlos miteinander kommunizieren können. Ohne eine klare Farbstrategie sind selbst die hochwertigsten Teile nur isolierte Elemente. Eine kohärente Palette garantiert, dass Sie morgens im Halbdunkel in Ihren Schrank greifen können und die Teile trotzdem harmonieren. Dies schafft eine visuelle Ruhe und eine unendliche Kombinierbarkeit.

Die Definition Ihrer persönlichen Palette ist ein analytischer Prozess, kein Ratespiel. Folgen Sie diesen fünf strategischen Schritten:

  1. Basisfarben (2-3): Dies sind die Anker Ihrer Garderobe. Wählen Sie dunkle oder neutrale Farben, die die Grundlage für Hosen, Röcke, Mäntel und Blazer bilden (z. B. Navy, Anthrazit, Schwarz, Camel).
  2. Neutrale Töne (3-4): Diese helleren Farben ergänzen Ihre Basis und bilden das Fundament für Oberteile wie T-Shirts, Blusen und Pullover (z. B. Weiß, Creme, Hellgrau, Beige). Sie sorgen für Helligkeit und Kontrast.
  3. Akzentfarben (1-2): Hier kommt Ihre Persönlichkeit ins Spiel. Wählen Sie ein oder zwei Farben, die Sie lieben und die Ihnen besonders gut stehen. Diese werden sparsam für Accessoires (Tücher, Taschen) oder einzelne Highlights (ein Pullover, eine Bluse) eingesetzt.
  4. Analyse des Hauttons: Bestimmen Sie, ob Ihnen eher kühle (blaustichige) oder warme (gelbstichige) Töne schmeichelen. Dies hilft Ihnen bei der Feinjustierung Ihrer Akzent- und Neutralfarben. Ein kühler Typ wählt eher Eisblau, ein warmer Typ Senfgelb.
  5. Konsequente Umsetzung: Erstellen Sie eine visuelle Referenz Ihrer Palette, z. B. auf Ihrem Smartphone. Nutzen Sie diese bei jedem Kauf als Filter. Passt das Teil nicht in die Palette, wird es nicht gekauft – egal, wie verlockend es ist.

Diese visuelle Disziplin ist entscheidend, um die Integrität Ihres Systems zu wahren. Die Farbpalette ist keine Einschränkung, sondern die ultimative Befreiung vom Kombinationsstress. Sie sorgt für eine harmonische und hochwertige Gesamtwirkung.

Harmonische Farbpalette aus Kleidungsstücken in abgestimmten Tönen

Die abgebildete Anordnung zeigt, wie unterschiedliche Texturen innerhalb einer abgestimmten Farbwelt – von Marineblau über Grau bis hin zu warmen Beigetönen mit einem grünen Akzent – eine reiche, aber kohärente visuelle Sprache schaffen.

Klassisch-elegant oder sportlich-modern – welcher Garderobenstil spiegelt Ihr Leben?

Nachdem die Farbpalette das technische Fundament legt, ist der persönliche Stil das Herzstück Ihrer Garderoben-Architektur. Stil ist mehr als nur eine ästhetische Vorliebe; er ist die visuelle Übersetzung Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Werte und vor allem Ihres Alltags. Eine Garderobe funktioniert nur dann, wenn sie die Anforderungen Ihres realen Lebens widerspiegelt. Eine Anwältin, die hauptsächlich im Büro ist, benötigt eine andere Systemarchitektur als eine freischaffende Grafikerin im Homeoffice.

Die Definition des eigenen Stils ist ein Prozess der ehrlichen Selbstanalyse, nicht des Kopierens von Magazinen. Es geht darum, eine authentische Stil-DNA zu identifizieren, die als Leitfaden für alle zukünftigen Investitionen dient. Anstatt sich in unzählige Sub-Stile zu verlieren, konzentrieren Sie sich auf zwei bis drei Kernadjektive, die Sie beschreiben sollen (z.B. „professionell, minimalistisch, komfortabel“ oder „kreativ, feminin, entspannt“). Diese Adjektive werden zu Ihrem inneren Kompass.

Dieser Prozess hilft Ihnen, die Diskrepanz zwischen Ihrem Wunsch-Ich und Ihrem realen Ich zu überbrücken. Sie kaufen nicht mehr für ein imaginäres Leben voller Cocktailpartys, wenn Ihr Alltag aus Meetings und Spielplatzbesuchen besteht. Stattdessen investieren Sie in die beste Version Ihres realen Selbst. Der Stil ist somit keine Verkleidung, sondern die authentische Hülle für Ihr Leben.

Ihre Checkliste zur Stil-Definition

  1. Der Comic-Figur-Test: Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Comic-Figur. Mit welchem wiederkehrenden Look würde der Zeichner Sie ausstatten, um Ihren Charakter sofort erkennbar zu machen?
  2. Lieblingsteile-Analyse: Sammeln Sie die 5-10 Teile, die Sie am häufigsten und liebsten tragen. Was haben sie gemeinsam (Schnitt, Material, Farbe, Gefühl)?
  3. Lebensalltag-Inventur: Erstellen Sie ein Kuchendiagramm Ihrer typischen Woche: Wie viel Prozent verbringen Sie im Büro, zu Hause, bei sportlichen Aktivitäten, bei gesellschaftlichen Anlässen? Ihre Garderobe sollte diese Verteilung widerspiegeln.
  4. Komplimente-Archiv: Für welche Outfits haben Sie in der Vergangenheit ehrliche Komplimente erhalten? Dies sind oft Hinweise auf Kombinationen, die Ihre Persönlichkeit besonders gut unterstreichen.
  5. Das Ausschlussverfahren: Definieren Sie klar, was Sie unter keinen Umständen tragen würden (z.B. bestimmte Muster, Schnitte, Materialien). Diese Negativ-Liste schärft Ihr Profil genauso wie eine Positiv-Liste.

Der Multi-Anlass-Fehler, der zu Kleidung führt, die nirgendwo wirklich passt

Einer der größten strategischen Fehler beim Aufbau einer Garderobe ist die Jagd nach dem „Multi-Anlass-Teil“. Es ist die verlockende Idee eines Kleidungsstücks, das „sowohl im Büro als auch abends an der Bar“ funktioniert. In der Realität führt dieser Kompromiss oft zu Teilen, die für keinen der Anlässe wirklich perfekt sind: zu leger für das wichtige Meeting, zu bieder für die schicke Bar. Diese Kleidungsstücke sind Meister der Mittelmäßigkeit und die Hauptursache für einen Schrank voller „fast guter“ Optionen.

Das Ergebnis dieser fehlgeleiteten Strategie ist messbar. Eine von Greenpeace durchgeführte Studie zum Konsumverhalten in Deutschland offenbarte, dass rund 40 % der gekauften Kleidung so gut wie nie getragen werden. Ein großer Teil davon sind genau jene Kompromiss-Käufe, die in der Theorie vielseitig, in der Praxis aber irrelevant sind. Sie besetzen wertvollen Platz und Kapital in Ihrer Garderobe, ohne einen echten Beitrag zur System-Effizienz zu leisten.

Die Lösung liegt im Konzept der Anlass-Spezifität. Anstatt nach dem Alleskönner zu suchen, investieren Sie gezielt in Stücke, die für einen bestimmten Anlass zu 100 % perfekt sind. Kaufen Sie einen Blazer, der unmissverständlich für das Business-Meeting designt ist, und ein Seidentop, das klar für den Abend gedacht ist. Paradoxerweise führt diese Spezialisierung zu mehr Vielseitigkeit im System, da Sie klare, funktionierende Outfits für definierte Lebensbereiche schaffen. Ein perfektes Büro-Outfit gibt Ihnen mehr Selbstsicherheit als ein Outfit, das versucht, alles gleichzeitig zu sein. Akzeptieren Sie, dass nicht jedes Teil für alles geeignet sein muss. Präzision schlägt hier vage Vielseitigkeit.

Wie Sie veraltete Stücke in 3 Tagen aussortieren ohne bereuen zu müssen?

Das Aussortieren ist kein emotionaler Akt des Loslassens, sondern eine strategische Bestandsaufnahme. Es ist der notwendige Prozess, um unproduktive Vermögenswerte aus Ihrem Garderoben-System zu entfernen. Ziel ist es nicht, möglichst viel wegzuwerfen, sondern Platz für Effizienz und Qualität zu schaffen. Der Prozess sollte schnell und systematisch sein, um endlose Grübeleien und das „Vielleicht-brauche-ich-das-noch“-Syndrom zu vermeiden. Ein fokussierter 3-Tage-Plan ist hierfür ideal.

Die berühmte KonMari-Methode bietet hierfür einen exzellenten Rahmen, den wir jedoch unter einem strategischen Blickwinkel betrachten. Die Frage ist nicht nur „Macht es mir Freude?“, sondern „Erfüllt dieses Teil noch eine Funktion in meiner zukünftigen Garderoben-Architektur?“. Sie agieren als Kuratorin Ihrer eigenen Sammlung. Jedes Teil wird einer rigorosen Prüfung unterzogen: Passt es zu meiner definierten Farbpalette? Entspricht es meiner Stil-DNA? Hat es einen klaren Platz in meiner Anlass-Matrix?

Teile, die diesen Kriterien nicht mehr entsprechen – weil sie veraltet sind, nicht mehr passen oder einem Lebensabschnitt angehören, der vorbei ist – haben ihren Nutzungs-ROI aufgebraucht. Sich von ihnen zu trennen, ist eine betriebswirtschaftlich kluge Entscheidung. Bedanken Sie sich bei dem Teil für seine geleisteten Dienste und geben Sie es weiter. Dieser Akt der Wertschätzung wandelt einen Verlust in einen bewussten Abschluss um und verhindert Reue.

Aufgeräumter Kleiderschrank mit systematisch gefalteter Kleidung

Ein gut organisierter Schrank, wie hier mit sorgfältig gefalteter Kleidung gezeigt, ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern das direkte Ergebnis einer klaren, strategischen Entscheidung. Es ist der sichtbare Beweis für ein funktionierendes System.

Wie Sie in 10 Tagen eine 30-Teile-Garderobe aufbauen, die 100 Kombinationen ermöglicht?

Nach der strategischen Reduktion folgt die Phase des gezielten Aufbaus. Dies ist kein Shopping-Trip, sondern eine Investitionsrunde. Ihr Ziel ist es, die durch das Aussortieren entstandenen Lücken in Ihrer Garderoben-Architektur mit hochwertigen, langlebigen Komponenten zu füllen. Angesichts der Tatsache, dass die Konsumausgaben für Bekleidung in Deutschland 2023 bei 68,2 Milliarden Euro lagen, wird deutlich, welch enorme Summen oft unstrategisch investiert werden. Ihr Ansatz wird anders sein: Jeder Euro wird gezielt eingesetzt, um die System-Effizienz zu maximieren.

Der Aufbau einer 30-Teile-Kerngarderobe ist ein fokussiertes Projekt, das in 10 Tagen realisiert werden kann. Der Schlüssel ist eine präzise Bedarfsliste, die auf Ihrer Farbpalette, Ihrer Stil-DNA und Ihrer Anlass-Matrix basiert.

Der 10-Tage-Investitionsplan:

  • Tage 1-2: Strategie und Listen-Erstellung. Analysieren Sie die verbliebenen Teile. Welche Kernkomponenten fehlen? Erstellen Sie eine exakte Einkaufsliste (z.B. „dunkelblaue Wollhose mit geradem Bein“, „cremefarbener Kaschmirpullover mit V-Ausschnitt“). Seien Sie so spezifisch wie möglich.
  • Tage 3-7: Recherche und Anprobe. Suchen Sie online und in Geschäften gezielt nach den Teilen auf Ihrer Liste. Nehmen Sie sich Zeit für die Anprobe. Achten Sie auf drei entscheidende Kriterien: perfekte Passform, hochwertiges Material und makellose Verarbeitung. Ein Teil wird nur gekauft, wenn es alle drei Kriterien zu 100 % erfüllt. Keine Kompromisse.
  • Tage 8-10: Integration und Testläufe. Integrieren Sie die neuen Teile in Ihren Schrank. Beginnen Sie sofort, Outfits zu kombinieren. Fotografieren Sie gelungene Kombinationen als Referenz. Ziel ist es, sicherzustellen, dass jede neue Komponente mit mindestens drei bis fünf bestehenden Teilen harmoniert.

Dieser strukturierte Prozess verhindert Impulskäufe und stellt sicher, dass Sie nur in Teile investieren, die einen langfristigen Wert für Ihr System haben. Sie kaufen keine Kleidung, Sie erwerben strategische Vermögenswerte für Ihre Garderobe.

Wie Sie aus 5 Basisteilen 20 raffinierte Looks kreieren – die Kombinationsmatrix?

Die wahre Magie einer strategischen Garderobe entfaltet sich in der Kombinatorik. Die sogenannte „Kombinationsmatrix“ ist kein Modetrick, sondern die praktische Anwendung des Komponenten-Denkens. Sie beweist, dass eine kleine, aber intelligente Auswahl an Kernstücken eine exponentiell größere Anzahl an Outfits erzeugen kann. Das Ziel ist es, jedes Teil als einen vielseitigen Baustein zu begreifen, der durch die Kombination mit anderen Bausteinen immer wieder einen neuen Charakter erhält.

Stellen Sie sich eine Matrix aus 5 Kernkomponenten vor, die perfekt auf Ihre Stil-DNA und Farbpalette abgestimmt sind:

  • Eine perfekt sitzende dunkle Jeans (Basis 1)
  • Eine elegante schwarze Stoffhose (Basis 2)
  • Eine weiße Seidenbluse (Topper 1)
  • Ein grauer Kaschmirpullover (Topper 2)
  • Ein klassischer Blazer (Layer 1)

Allein diese fünf Teile ergeben bereits 4 Grund-Outfits (Jeans/Bluse, Jeans/Pullover, Hose/Bluse, Hose/Pullover). Fügt man den Blazer als Layer hinzu, verdoppelt sich die Anzahl auf 8 Outfits. Ergänzt man nun strategisch durch unterschiedliche Accessoires (Tücher, Schuhe, Schmuck), kann man den Charakter jedes Looks fundamental verändern – von businesstauglich bis casual-chic. So entstehen mühelos 20 oder mehr individuelle Looks aus einem Kern von nur fünf Teilen. Der Schlüssel ist die hohe Qualität und perfekte Passform der Einzelteile, die jede Kombination hochwertig aussehen lassen.

Fallbeispiel: Donna Karans „Seven Easy Pieces“

Das Konzept der Kombinationsmatrix wurde 1985 von der US-Designerin Donna Karan revolutioniert. Ihre Kollektion „Seven Easy Pieces“ bestand aus nur sieben einfachen, aber perfekt aufeinander abgestimmten Teilen: ein Body, ein Rock, eine weite Hose, ein weißes Hemd, ein Kaschmirpullover, ein Kleid und ein Blazer. Die Genialität lag darin, dass jede Frau mit diesen sieben Komponenten eine komplette Garderobe für fast jeden Anlass zusammenstellen konnte. Es war der ultimative Beweis für die Macht des Komponenten-Denkens und hat das Fundament für die moderne, strategische Garderobenplanung gelegt.

Das Wichtigste in Kürze

  • System über Quantität: Eine strategisch geplante Garderobe mit wenigen, hochwertigen Teilen bietet mehr Stil-Möglichkeiten und weniger Stress als ein voller Schrank mit Zufallskäufen.
  • Strategische Filter: Eine klare Farbpalette und eine definierte Stil-DNA sind keine Einschränkungen, sondern die entscheidenden Filter für erfolgreiche, langfristige Investitionen in Kleidung.
  • ROI-Denken: Betrachten Sie jedes Kleidungsstück als eine Investition. Sein Wert bemisst sich nicht am Kaufpreis, sondern an der Häufigkeit und Freude, mit der es getragen wird (Nutzungs-ROI).

Wie Sie Ihren individuellen Alltagsstil ohne täglichen Entscheidungsstress perfektionieren

Die Perfektionierung Ihres Alltagsstils ist das ultimative Ziel und das logische Ergebnis Ihrer neuen Garderoben-Architektur. Es geht nicht mehr darum, jeden Morgen aufs Neue ein „Outfit“ zu kreieren. Stattdessen wählen Sie aus einem System von Komponenten, die garantiert funktionieren. Der gefürchtete morgendliche Entscheidungsstress, der wertvolle mentale Energie kostet, verschwindet. Er wird durch eine ruhige Sicherheit und das Vertrauen ersetzt, dass jede Wahl eine gute Wahl ist.

Diese neu gewonnene System-Effizienz manifestiert sich in mehreren Lebensbereichen. Sie sparen Zeit, da die Outfit-Frage in Minuten geklärt ist. Sie sparen Geld, da Impuls- und Fehlkäufe der Vergangenheit angehören. Vor allem aber gewinnen Sie an Selbstsicherheit. Sie wissen, dass Ihre Kleidung Ihren professionellen und persönlichen Ansprüchen genügt und Ihre Persönlichkeit authentisch widerspiegelt. Ihr Stil wird zu Ihrer Uniform – nicht im Sinne von langweiliger Eintönigkeit, sondern im Sinne eines wiedererkennbaren, persönlichen Markenzeichens, das Ihnen Stärke und Souveränität verleiht.

Der perfektionierte Alltagsstil ist dynamisch. Ihre Garderoben-Architektur ist kein starres Gefängnis, sondern ein lebendiges System. Alle drei bis sechs Monate überprüfen Sie kurz, ob die Komponenten noch zu Ihrem Leben passen, und justieren bei Bedarf nach. Ein einzelnes, saisonales Trendteil kann bewusst hinzugefügt werden, um Akzente zu setzen, ohne die stabile Basisstruktur zu gefährden. Sie sind nicht mehr Opfer von Modediktaten, sondern die souveräne Architektin Ihres eigenen Erscheinungsbildes.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Garderobe nicht mehr als Sammlung, sondern als strategisches System zu betrachten. Der erste Schritt ist eine ehrliche Analyse – der Grundstein für eine Garderobe, die Ihnen über Jahre hinweg dienen wird.

Häufige Fragen zum Aufbau einer System-Garderobe

Wie viele Teile sollte eine Capsule Wardrobe enthalten?

Als Richtwert gelten oft 30-40 Teile pro Saison, doch dies ist keine starre Regel. Während deutsche Frauen im Durchschnitt über 100 Teile besitzen, kann eine strategische Garderobe auch mit 60 oder mehr Teilen hervorragend funktionieren, solange jedes Stück aktiv genutzt wird und ins System passt. Die absolute Zahl ist weniger wichtig als die Kombinierbarkeit und der Nutzungsgrad.

Werden mit einer Capsule Wardrobe nicht alle gleich aussehen?

Ganz im Gegenteil! Bei der Garderoben-Architektur geht es darum, Ihren individuellen Stil zu destillieren, nicht, eine fremde Uniform zu übernehmen. Die genauen Schnitte, Materialien und Muster Ihrer Hosen, Shirts und Jacken definieren Sie selbst. Das System liefert den Rahmen, aber Sie füllen ihn mit Ihrer Persönlichkeit.

Kann man trotzdem Trends integrieren?

Ja, absolut. Eine stabile Basis-Garderobe erlaubt es Ihnen sogar, Trends bewusster und spielerischer zu integrieren. Anstatt Ihre ganze Garderobe um einen kurzlebigen Trend zu bauen, können Sie temporäre Akzente durch einzelne, weniger kostspielige Teile oder Accessoires setzen. Auch das Leihen von speziellen Trendteilen ist eine nachhaltige Option, um Abwechslung zu schaffen, ohne das Kernsystem zu überladen.

Geschrieben von Katharina Weber, Katharina Weber ist diplomierte Imageberaterin und Personal Stylist mit 12 Jahren Erfahrung in der gehobenen Modeberatung. Sie hat an der AMD Akademie Mode & Design in München studiert und ist zertifizierte Farb- und Stilberaterin nach dem 16-Typen-System. Aktuell leitet sie ihre eigene Stilberatungspraxis in Hamburg und betreut anspruchsvolle Privatkunden sowie Führungskräfte.