Veröffentlicht am März 15, 2024

Der Aufbau einer zeitlosen Garderobe ist keine Ausgabe, sondern eine strategische Investition in Ihr persönliches Erscheinungsbild und Kapital.

  • Der wahre Wert eines Kleidungsstücks bemisst sich nicht am Preisschild, sondern an seiner „Cost-per-Wear“-Rendite über Jahrzehnte.
  • Passform-Präzision ist nicht verhandelbar; sie entscheidet darüber, ob eine Investition glänzt oder scheitert.

Empfehlung: Beginnen Sie mit dem Fundament – den vielseitigsten Stücken – und akquirieren Sie schrittweise nach einem klaren Plan, anstatt impulsiv Trends zu folgen.

Viele Männer kennen das frustrierende Paradox: Ein Kleiderschrank voller Kleidung, aber scheinbar nichts Passendes zum Anziehen. Die Verlockung der „Fast Fashion“ führt zu einer Ansammlung kurzlebiger Trendteile, die schnell an Reiz verlieren und minderwertig verarbeitet sind. Das Resultat ist ein ständiger Kreislauf aus Kaufen und Wegwerfen, der nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Nerven strapaziert. Man verwechselt einen vollen Schrank mit einer funktionierenden Garderobe und ignoriert dabei die Kosten, die über die Zeit entstehen.

Der übliche Rat lautet oft, einfach „in Qualität zu investieren“, doch diese Aussage bleibt meist abstrakt. Was aber, wenn der Schlüssel nicht nur im Kauf teurer Einzelteile liegt, sondern in einer übergeordneten Strategie? Wenn wir unsere Garderobe nicht als Ansammlung von Kleidung, sondern als ein Portfolio betrachten – ein persönliches Garderoben-Kapital, das über Jahre und Jahrzehnte an Wert gewinnt? Die wahre Kunst männlicher Eleganz liegt nicht im blinden Folgen von Modediktaten, sondern im bewussten Aufbau eines Fundaments aus zeitlosen Klassikern, die jede Saison und jeden Trend überdauern.

Dieser Leitfaden verfolgt genau diesen Ansatz. Wir werden nicht nur die acht unverzichtbaren Säulen einer Herrengarderobe identifizieren, sondern vor allem die dahinterliegende Philosophie und Strategie beleuchten. Sie werden lernen, warum ein teureres Stück langfristig die günstigere Wahl ist, wie Sie Passformfehler vermeiden, die selbst die hochwertigste Kleidung billig wirken lassen, und wie Sie systematisch, über Monate und Jahre hinweg, eine Sammlung aufbauen, die eine unerschütterliche stilistische Sicherheit verleiht.

Für alle, die einen schnellen visuellen Einstieg bevorzugen, bietet das folgende Video einige nützliche Tipps, wie man auch mit begrenztem Budget einen modischen Look zusammenstellen kann. Es ergänzt die strategische Tiefe dieses Artikels um praktische Alltags-Impressionen.

Dieser Artikel ist Ihr Fahrplan zu einer Garderobe, die nicht nur heute funktioniert, sondern auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Relevanz und Stil ausstrahlt. Wir führen Sie schrittweise durch die fundamentalen Prinzipien, die strategische Planung und die konkrete Umsetzung.

Warum Klassiker nach 30 Jahren besser aussehen als Fast Fashion nach 3 Monaten?

Der fundamentale Unterschied zwischen einem Klassiker und einem modischen Strohfeuer liegt im Konzept der Patina versus Verfall. Ein Fast-Fashion-Pullover aus einer synthetischen Mischung zeigt nach wenigen Wäschen Pilling, verliert seine Form und die Farbe verblasst. Er zerfällt. Ein hochwertiger Trenchcoat aus Baumwoll-Gabardine oder rahmengenähte Lederschuhe hingegen gewinnen mit der Zeit an Charakter. Gebrauchsspuren erzählen eine Geschichte, das Leder entwickelt eine einzigartige Patina und das Material passt sich seinem Träger an. Diese Stücke altern nicht – sie reifen.

Dieser Reifeprozess ist das Ergebnis überlegener Materialien und exzellenter Handwerkskunst. Naturfasern wie Wolle, Baumwolle und Leder sind nicht nur langlebiger, sondern auch atmungsaktiv und komfortabel. Die Verarbeitung, oft erkennbar an doppelten Nähten, verstärkten Knopflöchern oder einer sauberen Innenverarbeitung, sorgt dafür, dass das Kleidungsstück den Belastungen des Alltags über Jahrzehnte standhält. Es ist diese inhärente Qualität, die ein Stück zu einem treuen Begleiter macht, anstatt zu einem Wegwerfartikel.

Der Modehistoriker Bernhard Rötzel fasst diese Essenz in seinem Blog treffend zusammen, wie ein Beitrag über sein Buch „Gentleman“ zeigt:

Ein echter Klassiker ist mehr als nur alt. Er ist bewährt. Er hat sich durchgesetzt, weil er funktioniert – über Jahrzehnte hinweg, in verschiedensten Kulturen und Kontexten.

– Bernhard Rötzel, LassnSaftDrauf

Letztlich ist die Entscheidung für einen Klassiker eine Entscheidung gegen die geplante Obsoleszenz der modernen Modeindustrie. Es ist ein Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Substanz, das sich nicht nur ästhetisch, sondern auch finanziell auszahlt. Anstatt jedes Jahr in minderwertigen Ersatz zu investieren, tätigt man eine einmalige Investition in ein Stück, das eine lebenslange Stil-Dividende abwirft.

Wie Sie in 12 Monaten eine zeitlose Herrengarderobe aufbauen ohne 5.000 € auf einmal auszugeben?

Der Gedanke an eine Garderobe voller Klassiker scheint oft mit einer enormen Sofortinvestition verbunden zu sein. Dies ist ein Trugschluss. Der Schlüssel liegt in der strategischen Akquise, einem geplanten, schrittweisen Vorgehen anstelle eines unüberlegten Rundumschlags. Anstatt alles auf einmal zu kaufen, verteilen Sie die Anschaffungen intelligent über das Jahr, ausgerichtet an saisonalen Bedürfnissen und Verkaufsphasen. So bauen Sie Ihr Garderoben-Kapital auf, ohne Ihr Konto zu sprengen.

Ein disziplinierter 12-Monats-Plan könnte sich an den Jahreszeiten orientieren. Im Winter konzentrieren Sie sich auf das Fundament für kaltes Wetter, im Frühling auf vielseitige Übergangskleidung, im Sommer auf leichte Stoffe und im Herbst auf wärmende Schichten. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Sie immer das richtige Kleidungsstück zur richtigen Zeit zur Verfügung haben und nutzen gleichzeitig saisonale Sales optimal aus.

Jahreszeiten-Garderobe für den deutschen Mann systematisch aufgebaut

Die folgende Tabelle skizziert eine beispielhafte quartalsweise Strategie, die speziell auf das deutsche Klima und die hiesigen Handelszyklen zugeschnitten ist. Sie dient als Blaupause, die Sie an Ihr persönliches Budget und Ihre Prioritäten anpassen können.

Quartalsweise Anschaffungsstrategie für Deutschland
Quartal Anschaffung Budget (€) Beste Kaufzeit
Q1 Winter Rahmengenähte Stiefel 300-500 Januar Sales
Q2 Frühling Leichter Trenchcoat 400-600 März-April
Q3 Sommer 2-3 Leinenhemden 150-250 Juli Sales
Q4 Herbst Hochwertiger Wollpullover 200-350 Oktober

Dieser methodische Aufbau hat einen weiteren psychologischen Vorteil: Er schult das Auge für Qualität und den Sinn für den wahren Wert. Jede geplante Anschaffung wird zu einem bewussten Akt, der die Wertschätzung für die eigene Garderobe nachhaltig steigert. Sie kaufen nicht mehr nur Kleidung, Sie kuratieren Ihre Sammlung.

Was macht ein Kleidungsstück zum Klassiker – die 5 unveränderlichen Kriterien?

Nicht jedes alte Kleidungsstück ist ein Klassiker. Ein wahrer Klassiker erfüllt eine Reihe von Kriterien, die seine Relevanz über Epochen hinweg sichern. Diese Prinzipien sind der genetische Code zeitlosen Stils. Ein Kleidungsstück, das diese fünf Merkmale vereint, hat das Potenzial, zu einem festen Bestandteil Ihres Garderoben-Kapitals zu werden. Es sind dies: Funktionalität, Vielseitigkeit, historische Relevanz, kulturelle Verankerung und ästhetische Zeitlosigkeit.

Ein Klassiker hat seinen Ursprung fast immer in einer praktischen Notwendigkeit. Der Trenchcoat schützte Soldaten im Graben, die Jeans war die robuste Arbeitshose der Goldgräber. Diese funktionale DNA sorgt dafür, dass das Kleidungsstück auch heute noch einen echten Zweck erfüllt. Gleichzeitig lässt es sich mühelos in verschiedensten Kontexten tragen – vom Büro bis zur Freizeit. Seine historische und kulturelle Bedeutung, oft geprägt durch Ikonen wie Steve McQueen oder James Dean, verleiht ihm eine Aura, die über die reine Ästhetik hinausgeht. Der Schnitt und die Farbgebung sind dabei so universell, dass sie keinen kurzfristigen Trends unterworfen sind.

Fallstudie: Der Lodenmantel – Von der Alpen-Funktionskleidung zur zeitlosen Eleganz

Der Lodenmantel illustriert perfekt die Evolution eines Klassikers. Ursprünglich für die Jagd in den Alpen entwickelt, kombiniert er funktionale Überlegenheit (wasserabweisend, winddicht) mit kultureller Verankerung in der mitteleuropäischen Tradition. Heute wird er von der modebewussten GenZ in Metropolen als Statement für Nachhaltigkeit und zeitlose Eleganz wiederentdeckt – ein eindrucksvoller Beweis für die generationsübergreifende Relevanz echter Klassiker, die auf Funktion und Herkunft basieren.

Bevor Sie also eine Investition tätigen, prüfen Sie das potenzielle Stück anhand dieser Kriterien. Kann es in zehn Jahren noch getragen werden? Erfüllt es einen klaren Zweck? Lässt es sich mit mindestens drei anderen Teilen Ihrer Garderobe kombinieren? Nur wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten können, handelt es sich um einen potenziellen Klassiker und nicht um eine modische Eintagsfliege.

Der Größen-Fehler, der selbst einen 400-€-Trenchcoat billig wirken lässt

Sie können in das teuerste Material und die renommierteste Marke investieren – wenn die Passform nicht stimmt, ist die gesamte Investition wertlos. Ein schlecht sitzendes Kleidungsstück zerstört jede Silhouette und lässt selbst hochwertigste Stoffe unvorteilhaft erscheinen. Passform-Präzision ist das entscheidende, nicht verhandelbare Kriterium, das den Unterschied zwischen einem Amateur und einem Kenner ausmacht. Es ist der Multiplikator, der den Wert Ihrer Garderobe potenziert oder vernichtet.

Drei Bereiche sind dabei von kritischer Bedeutung: die Schultern, die Ärmellänge und die Hosenlänge. Die Schulternaht eines Sakkos, Mantels oder Hemdes muss exakt auf dem Schulterknochen enden. Ist sie zu breit, wirkt die gesamte Statur unförmig. Ist sie zu schmal, spannt der Stoff und schränkt die Bewegung ein. Bei der Ärmellänge gilt die Daumenbreite-Regel: Die Hemdmanschette sollte idealerweise ein bis zwei Zentimeter unter dem Sakko- oder Mantelärmel hervorschauen. Dies schafft eine saubere visuelle Abstufung. Die Hosenlänge ist kontextabhängig, aber eine Hose, die sich am Schuh staucht, wirkt fast immer nachlässig.

Die gute Nachricht ist, dass sich kleinere Passformprobleme oft korrigieren lassen. Die beste Investition nach dem Kauf ist daher der Gang zu einem guten Änderungsschneider. Eine professionelle Anpassung, etwa die Kürzung von Ärmeln, kostet in Deutschland oft nur einen Bruchteil des Kaufpreises, hat aber einen immensen Einfluss auf die Gesamtwirkung. Eine solche Anpassung für 15-25 € verwandelt ein gutes Stück in ein perfektes Stück.

Ihre Prüfliste für die perfekte Passform

  1. Schultern prüfen: Die Schulternaht muss exakt auf dem äußeren Punkt des Schulterknochens sitzen. Zu breite Schultern ruinieren jeden Look und sind nur schwer zu korrigieren.
  2. Ärmellänge kontrollieren: Wenden Sie die „Daumenbreite-Regel“ an. Die Hemdmanschette sollte etwa 1-2 cm unter dem Sakkoärmel hervorschauen und am Handgelenksknochen enden.
  3. Hosenlänge definieren: Wählen Sie den Saum je nach Kontext. Ein „No Break“ (kein Bruch) passt zu kreativen Berufen in Berlin, während ein „Slight Break“ (leichter Bruch) im konservativen Finanzsektor die Norm ist.
  4. Taille und Brustkorb bewerten: Ein Sakko sollte im Stehen mit einem Knopf geschlossen werden können, ohne zu spannen. Es sollte der Körperform folgen, ohne einzuengen.
  5. Bewegungstest durchführen: Heben Sie die Arme, setzen Sie sich hin. Ein gut sitzendes Kleidungsstück bietet Komfort und Bewegungsfreiheit, ohne seine Form zu verlieren.

Nehmen Sie sich Zeit im Laden, probieren Sie verschiedene Größen und Marken an und planen Sie das Budget für eventuelle Anpassungen von vornherein mit ein. Diese Sorgfalt ist die Essenz des smarten Garderoben-Aufbaus.

Wann sollten Sie welchen Klassiker anschaffen – die optimale Kaufreihenfolge für Einsteiger?

Nachdem die Prinzipien von Qualität und Passform verinnerlicht sind, stellt sich die Frage nach der richtigen Reihenfolge. Der strategische Aufbau einer Garderobe folgt einer klaren Logik: vom Fundament zur Spitze. Beginnen Sie mit den vielseitigsten Stücken, die die Basis für eine maximale Anzahl von Outfits bilden, bevor Sie sich spezialisierteren oder saisonaleren Teilen zuwenden. Diese Priorisierung sichert eine funktionierende Garderobe von Anfang an.

Das absolute Fundament besteht aus den Arbeitstieren des männlichen Stils: ein gut sitzendes weißes und ein hellblaues Hemd sowie eine hochwertige, dunkle Jeans ohne Waschung. Diese Kombination allein deckt bereits eine enorme Bandbreite an Anlässen ab. Der nächste logische Schritt ist das Upgrade-Stück schlechthin: ein dunkelblaues Sakko. Es hebt die Jeans-Hemd-Kombination sofort auf ein Business-Casual-Niveau und funktioniert ebenso gut mit einer Chino oder Anzughose. Erst danach folgen die Investitionen, die stärker vom Wetter abhängen: rahmengenähte Lederschuhe als robuste Basis für fast jede Witterung und schließlich ein Mantel als stilvoller Schutzschild für die kälteren Monate.

Die vier Grundpfeiler einer klassischen Männergarderobe systematisch präsentiert

Die folgende Prioritätenliste dient als Leitfaden für die ersten entscheidenden Anschaffungen. Sie maximiert die Vielseitigkeit und stellt sicher, dass jede Investition auf der vorherigen aufbaut.

Die Prioritätenliste für den Aufbau einer Grundgarderobe
Priorität Kleidungsstück Funktion Budget-Empfehlung
1 Weißes & hellblaues Hemd + dunkle Jeans Fundament für Berufsalltag 200-300€
2 Dunkelblaues Sakko Soziales Upgrade für alle Anlässe 300-500€
3 Rahmengenähte Lederschuhe Wettertaugliche Investition 250-400€
4 Mantel (Trench/Wolle) Schutzschild mit Stil (Okt-Apr) 400-600€

Diese Reihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt und kann je nach Beruf und Lebensstil angepasst werden. Ein im Außendienst tätiger Mann wird vielleicht den Mantel vorziehen, während jemand im kreativen Sektor stärker vom Sakko profitiert. Das Prinzip bleibt jedoch dasselbe: Zuerst die Basis schaffen, dann spezialisieren.

Warum ein 400-€-Blazer rentabler ist als 10 Pullover zusammen?

Auf den ersten Blick erscheint die Investition von 400 € in ein einziges Sakko extravagant im Vergleich zum Kauf von zehn Pullovern für je 40 €. Diese simple Rechnung ignoriert jedoch den wichtigsten Faktor bei der Bewertung von Garderoben-Investitionen: die Cost-per-Wear-Rendite. Diese Kennzahl berechnet die wahren Kosten eines Kleidungsstücks, indem der Kaufpreis durch die Anzahl der Tragevorgänge geteilt wird. Hier zeigt sich die überlegene Wirtschaftlichkeit von Qualität.

Ein günstiger Pullover verliert nach 20-30 Mal Tragen und Waschen seine Form und Attraktivität. Die Kosten pro Tragen liegen also bei etwa 1,33 € bis 2,00 €. Ein hochwertiges, zeitloses Sakko hingegen kann bei guter Pflege problemlos über ein Jahrzehnt oder länger getragen werden. Bei einer Tragefrequenz von nur zweimal pro Woche über fünf Jahre ergibt sich bereits eine beeindruckende Rechnung. Wie eine Analyse der Cost-per-Wear-Formel zeigt, die ein 400€-Sakko bei 2x wöchentlichem Tragen über 5 Jahre auf nur 0,77€ pro Tag beziffert, sind die wahren Kosten pro Tragen deutlich geringer.

Doch die Rentabilität geht über die reine Mathematik hinaus. Der Blazer bietet eine ungleich höhere stilistische Vielseitigkeit. Er kann ein T-Shirt aufwerten, ein Hemd formalisieren und eine Brücke zwischen leger und professionell schlagen. Die zehn günstigen Pullover bieten diese transformative Kraft nicht. Sie bleiben meist in ihrem engen stilistischen Kontext gefangen. Das Sakko hingegen ist ein stilistischer Multiplikator, der den Wert der gesamten restlichen Garderobe hebt.

Die Entscheidung für den Blazer ist also keine Ausgabe, sondern eine kalkulierte Investition in ein Asset mit hoher Nutzungsfrequenz und maximaler stilistischer Wirkung. Es ist die rationale Entscheidung für jeden, der seine Garderobe als langfristiges Kapital betrachtet und nicht als Ansammlung von Konsumgütern.

Wie Sie in 10 Jahren schrittweise eine Klassiker-Sammlung ohne 20.000-€-Sofortausgabe aufbauen?

Eine wahrhaft herausragende Garderobe ist das Ergebnis von Geduld, Wissen und einer langfristigen Vision. Das Ziel ist nicht, in einem Jahr alles zu besitzen, sondern über ein Jahrzehnt hinweg eine Sammlung aufzubauen, die Ihre persönliche und berufliche Entwicklung widerspiegelt. Dieser Marathon-Ansatz, das „Meilenstein-Prinzip“, ermöglicht den Aufbau eines erheblichen Garderoben-Kapitals, ohne jemals finanzielle Engpässe zu erzeugen. Es transformiert den Konsum in eine kuratierte Sammlung von Erbstücken.

Der Prozess lässt sich in Phasen unterteilen. In den ersten Jahren liegt der Fokus auf der Etablierung der soliden Basis, wie im 12-Monats-Plan beschrieben. In den darauffolgenden Jahren (Jahr 3-5) beginnt die Upgrade-Phase. Hier ersetzen Sie Einsteiger-Klassiker durch Premium-Modelle, zum Beispiel ein Sakko von der Stange durch ein Modell eines renommierteren Herstellers oder sogar eine Maßkonfektion. Die Jahre 6-8 sind der Spezialisierung gewidmet: die Anschaffung eines besonderen Stücks wie eines Kaschmirmantels, einer hochwertigen mechanischen Uhr oder eines ersten Maßhemds.

  • Jahr 1-2: Basics etablieren – Qualitätsjeans, weiße Hemden, erste Lederschuhe.
  • Jahr 3-5: Upgrade-Phase – Vom Einsteiger-Sakko zum Premium-Modell.
  • Jahr 6-8: Spezialisierung – Maßhemd, mechanische Uhr, Kaschmirmantel.
  • Jahr 9-10: Vererbungsstücke – Maßanzug, hochwertige Lederwaren, die Generationen überdauern.

Dieser langfristige Ansatz fördert nicht nur eine tiefere Wertschätzung für Handwerk und Qualität, sondern unterstützt auch eine nachhaltigere Modeindustrie. Wie der Fashion Council Germany betont, ist die Investition in traditionelles Handwerk essenziell für die Zukunft der Branche. Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung einer bewussten, langfristigen Konsumhaltung.

Die Pandemie hat viele Schwächen in unserer globalisierten Modewelt offengelegt – wir müssen in traditionelle handwerkliche Berufsgruppen investieren, die das Fundament unserer Branche bilden.

– Fashion Council Germany, Status Deutscher Mode 2024

Am Ende dieses Weges steht nicht nur eine Garderobe, die für jeden Anlass gewappnet ist, sondern eine Sammlung von Stücken mit persönlicher Geschichte und unvergänglichem Wert. Es ist die ultimative Manifestation von nachhaltigem und intelligentem Stil.

Das Wichtigste in Kürze

  • Denken Sie in „Cost-per-Wear“: Der wahre Preis eines Kleidungsstücks ist der Kaufpreis geteilt durch die Häufigkeit des Tragens. Qualität ist langfristig fast immer günstiger.
  • Passform ist nicht verhandelbar: Ein perfekt sitzendes Kleidungsstück aus mittelmäßiger Qualität sieht besser aus als ein schlecht sitzendes Luxus-Teil. Planen Sie das Budget für den Schneider immer mit ein.
  • Bauen Sie strategisch auf: Eine Garderobe ist ein Marathon, kein Sprint. Beginnen Sie mit den vielseitigsten Stücken und bauen Sie Ihr „Garderoben-Kapital“ schrittweise und überlegt auf.

Wie ein perfekt sitzender Blazer Ihre gesamte Garderobe um 3 Stilstufen anhebt

Wenn es ein einziges Kleidungsstück gibt, das die transformative Kraft von Klassikern verkörpert, dann ist es das perfekt sitzende Sakko. In Deutschland wird seine Wirkung oft unterschätzt. Ein Blazer ist weit mehr als nur ein formelles Kleidungsstück; er ist ein Kontext-Wandler, der die Aussage eines gesamten Outfits neu definieren kann. Er hebt jede Kombination sofort um mehrere Stilstufen an und signalisiert Souveränität und Geschmack.

Der sogenannte „Kontext-Hack“ demonstriert dies eindrucksvoll. Eine simple Kombination aus einem weißen T-Shirt und einer dunklen Jeans kann leger, fast beliebig wirken. Fügt man jedoch einen gut geschnittenen Blazer hinzu, wird das Outfit augenblicklich zu „Smart Casual“ oder „kreativ-professionell“. Dieser Look ist in vielen deutschen Agenturen, Start-ups und modernen Unternehmen nicht nur akzeptiert, sondern wird als Ausdruck von entspannter Kompetenz geschätzt. Eine Studie zum Thema zeigt, dass die gleichen Basisteile durch das Hinzufügen eines Sakkos als um 70% formeller und kompetenter wahrgenommen werden.

Die Vielseitigkeit eines einzigen, hochwertigen Sakkos ist enorm. Es fungiert als Brücke zwischen verschiedenen Welten und Anlässen, wie die folgende Übersicht zeigt. Es ist das Schweizer Taschenmesser in der Garderobe des modernen Mannes.

5 Outfit-Variationen mit einem Sakko
Anlass Kombination Stil-Level
Business Meeting Düsseldorf Sakko + weißes Hemd + Anzughose Formell
Smart-Casual München Sakko + T-Shirt + dunkle Jeans Lässig-elegant
Date Night Sakko + Rollkragen + Chino Sophisticated
Wochenend-Brunch Sakko + Polo + helle Jeans Relaxed-refined
After-Work Event Sakko + Hemd (ohne Krawatte) + Jeans Business-Casual

Die Investition in einen perfekt sitzenden Blazer ist daher eine der rentabelsten überhaupt. Er wertet nicht nur einzelne Outfits auf, sondern erhöht den Nutzwert und die Kombinationsmöglichkeiten Ihrer gesamten Garderobe. Er ist der Ankerpunkt, um den sich unzählige stilvolle Ensembles bauen lassen.

Der Weg zu einer zeitlosen Garderobe ist eine bewusste Entscheidung für Substanz, Qualität und eine langfristige Strategie. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr persönliches Garderoben-Kapital aufzubauen – Stück für Stück, mit Bedacht und einem klaren Blick für den unvergänglichen Wert echten Stils.

Geschrieben von Katharina Weber, Katharina Weber ist diplomierte Imageberaterin und Personal Stylist mit 12 Jahren Erfahrung in der gehobenen Modeberatung. Sie hat an der AMD Akademie Mode & Design in München studiert und ist zertifizierte Farb- und Stilberaterin nach dem 16-Typen-System. Aktuell leitet sie ihre eigene Stilberatungspraxis in Hamburg und betreut anspruchsvolle Privatkunden sowie Führungskräfte.